Brasilien – Zu den Gauchos im Süd Pantanal


 

Es fehlte uns noch der Plan wie wir Brasilien in unsere Reiseroute einbauen denn das grösste Land Südamerikas hat leider die schwierigsten Visa Bestimmungen. Als EU-Bürger gilt es innerhalb eines halben Jahres nur für drei Monate, viel zu kurz um alles in einem Durchgang anzuschauen.

So kam uns die spontane Planänderung wegen der Überschwemmungen in Paraguay ganz recht. Wir legten einfach eine erste Schleife in Brasilien ein.
Wir haben so eine Art Wunschliste mit Sehnsuchtsorten die wir für jeden Kontinent im Kopf herumtragen, einer davon ist das Pantanal.

Es ist das grösste Binnen Feuchtgebiet der Erde, vielleicht nicht so bekannt wie das Amazonas Becken aber sein Ökosystem ist nicht minder beeindruckend. Für uns bestand der Reiz die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren zu entdecken und vielleicht sogar einen seltenen Jaguar zu sehen. Zuerst mussten wir aber erst einmal hinkommen.

Vom Grenzort Ponta Pora liegt es einige hundert Kilometer entfernt und wir hatten Zeit ein bisschen Brasilien Feeling zu entwickeln. Der Unterschied zu Paraguay war enorm. Mehr Menschen, grössere Städte, viel Verkehr, jede Art von Geschäften und an jeder Ecke ein Restaurant. Besonders angetan hatte es uns das Kilo Restaurant. Man bedient sich am Buffet und lädt sich auf den Teller was einem schmeckt, abgerechnet wird nach Gewicht. Manche sind gleichzeitig auch Churrascarias also Grilllokale, wo grosse Fleischstücke über offenem Feuer gebrutzelt werden. Eine günstige Essgelegenheit die man unbedingt probieren muss..

Zurück auf der Strasse gab es auch einiges was nicht nur toll war. Schlechte Strassen, halsbrecherische Überholmanöver der LKW Fahrer oder besonders beklemmend, die Indianerreservate. Vor allem im Grenzgebiet durchquerten wir öfter diese winzigen Landstriche welche der Staat den Ureinwohnern zugewiesen hat. Kleine Elendsviertel umgeben von mächtigen Fazendas der Grossgrundbesitzer, ein trauriger Anblick.

Weiter landeinwärts dominierten irgendwann nur noch Rinderfarmen oder Felder mit vorwiegend Weizen, Mais und Soja. Ein Bonus auf der Strecke war das Gebiet rund um den kleinen Ort Bonito, ein Ziel für brasilianische Ökotouristen. Eingebettet in eine liebliche leicht hügelige Landschaft mit Höhlen, Wasserfällen und kleinen Flüsschen die als Schnorchel Paradies gelten.

Wir verbrachten einige Tage auf einem Campingplatz etwas ausserhalb mit direktem Zugang zum Fluss. Wahrscheinlich war es die Jahreszeit denn der Bach war trüb und wir sahen die bunten Fische am besten vom Steg. Dass wir uns in den Tropen befanden bemerkten wir als eine grosse Schlange unseren Rückweg zum Unimog kreuzte und uns abends die Moskitos das Blut aussaugten. Dazu die feuchtschwüle Hitze und der aufgeheizte Unimog ohne Klimaanlage.

Wir flüchteten auf einen Campingplatz direkt in Bonito, dort sorgte ein kleiner Swimmingpool für Abkühlung. Ein deutsch-brasilianisches Ehepaar dass auf den Unimog aufmerksam wurde weihte uns dann noch in die lokalen Spezialitäten ein, Kaiman Fleisch, Fisch und Maniok, eine interessante Abwechslung für uns.

Von Bonito war es dann nur noch eine Tagesfahrt zur Estrada de Parque, dem Eingangsportal zum Süd Pantanal. Obwohl wir versuchen im Vorhinein keine Erwartungshaltungen oder Vorstellungen zu den jeweiligen Orten zu entwickeln, zu oft war es dann sowieso ganz anders, waren wir am Anfang irritiert. Ohne besondere Kennzeichnung zweigte von der Hauptstrasse eine auf einem Damm verlaufende Erdpiste ab die anfangs total unspektakulär durch dichten grünen Buschwald zog und uns pausenlos mit grosser Staubfahne ein Farmer Pickup oder Viehtransporter begegnete. Mit Naturerlebnis hatte das gar nichts zu tun.

Südamerika ist eben nicht Afrika, die Wildtiere teilen sich hier das Gebiet mit kommerziell genutzten Rinderfarmen, alles ist Privatland, neben der Piste verlaufen die Zäune und jede Abzweigung ist mit einem Tor verschlossen.

 Weiter drinnen führt eine überdimensionale Brücke über den Rio Miranda. Am Ufer liegen die Hausboote der Fischer verankert, dazwischen finden sich die Touristen Lodges. Am Wochenende herrscht Hochbetrieb. Es werden Touren angeboten, mit Boot oder offenem Auto, die Besucher wollen Tiere sehen oder selber fischen. Eine davon steuerten wir als Übernachtungsplatz an. Am Schild stand auch Camping aber wir sparen uns lieber jeden weiteren Kommentar, mehr als eine Nacht wollten wir dort nicht verbringen. Vielleicht war es das Hochwasser dass alles so unattraktiv erscheinen liess.

Das Pantanal ist ein brettebenes Sumpfgebiet das zur Regenzeit im Frühling regelmässig flutet und damit als natürlicher Wasserspeicher für die reiche Flora und Fauna dieses einmaligen Naturraums dient. Es beheimatet Südamerikas höchste Konzentration bestimmter Wildtiere wie zum Beispiel den Kaiman.

Je weiter wir am nächsten Tag in dieses Labyrinth von Flüssen, kleinen Wäldern und Trockenzonen vordrangen, umso mehr steigerte sich das Naturerlebnis. Der Verkehr blieb leider ziemlich konstant, unsere Beobachtungen wurden oftmals durch vorbeirauschende Autos gestört. Alle paar hundert Meter überquert man kleine Holzbrücken, bei vierzig hatten wir aufgehört zu zählen. Anfangs suspekt doch bei genauerer Betrachtung waren sie in einem sehr guten Zustand. Wie wir später merkten wird die Piste gerade weiter ausgebaut und die Brücken regelmässig saniert. Da grosse Flächen der Weidegebiete unter Wasser standen sahen wir zunächst nur Vögel. Natürlich wollten wir auch den berühmten Ara, den bunten Papagei erspähen aber der hielt sich noch versteckt.

Die Wildtier Population des Pantanal ist weltberühmt, nur wir bekamen sie nicht zu Gesicht. Etwas enttäuscht ratterten wir auf der streckenweise ziemlich steinigen Piste dahin als wir endlich die ersten Kaimane entdeckten. Regungslos liegen sie am Wasserrand und warten auf Beute oder geniessen die Wärme der Sonne. Sie sind deutlich kleiner als Krokodile und für Menschen weniger gefährlich. Wir erreichten eine Pistenkreuzung, links ging es über Porto Manga nach Corumba und rechts führt eine neu ausgebaute Piste tief durch das Pantanal Farmland. Da wir nicht wegen der Durchquerung sondern zur Tier und Naturbeobachtung hier waren entschieden wir uns für rechts.

Das Sumpfgebiet wich langsam offenem Farmland und so fanden wir etwas abseits der Piste einen trockenen Übernachtungsplatz direkt neben einer Kuhweide. Dieser Ort wird uns ewig in Erinnerung bleiben denn er bescherte uns ein unvergessliches Erlebnis.

Es war gerade die Zeit der Viehtriebe. Aus allen Richtungen erhoben sich Staubfahnen und es kamen Rinderherden auf uns zu. Hoch zu Ross trabten die ersten Gauchos an uns vorüber, begleitet von lautem Knallen der Peitschen dirigierten sie die riesigen Herden am Unimog vorbei.
Ihre Gesichter gegerbt von Sonne und Kälte, ein Knochenjob, schlecht bezahlt und ohne Komfort. Später beobachteten wir wie sie an der Sammelstelle wo sie kleine Unterstände bezogen, die Sättel auf Zaunpfählen aufhängten und sich grosse Fleischstücke für das abendliche Feuer bereitlegten. Ein hartes Leben.

Nach einer weiteren Nacht bekamen wir auch noch die Gelegenheit den seltenen blauen Papagei zu fotografieren und trafen auf frische Spuren eines Jaguars. Den hoffen wir vielleicht bei einer Tour durch das nördliche Pantanal zu treffen.

Vorerst ging es für uns retour nach Bonito. Wir nutzten die nette Posada mit Campinggelegenheit für einige Instandhaltungsarbeiten am Unimog. Das neu eingesetzte Dachfenster aus Südafrika versahen wir mit einer zusätzlichen Abdeckung aus Polyester um einen Wassereintritt vollständig auszuschliessen und beim örtlichen Reifendienst liessen wir die Michelin XZL drehen um die Lebensdauer zu verlängern. Auf kleinen Strassen umfuhren wir die Distrikt Hauptstadt Campo Grande, verbrachten wieder einige Nächte auf Tankstellen und näherten uns langsam dem nächsten Ziel, den Iguazu Wasserfällen an der Grenze zu Argentinien.

Dazu mehr im nächsten Beitrag.