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Am Weg zum Kap




Für eine Hauptgrenze war in Noordoewer wenig los. Die Abfertigung verlief zügig und nachdem man die Brücke über den Oranje River überquert, der eine natürliche Grenzlinie bildet, steht man auch schon in Südafrika.
Die Landschaft unterscheidet sich kaum von der Namibias. Karges, steiniges Land in hügeligen Terrain unterteilt durch endlose Farmzäune.

Landschaft in Northern Cape Provinz
Orte gibt es nur wenige und so ist Springbok, das einzige grössere Städtchen auf hunderten Kilometern, ein wichtiger Versorgungsstützpunkt.
Als wir hinkamen war wieder einmal Samstag, das fühlt sich in solchen Orten an wie ein kleiner Ausnahmezustand. Jeder ist auf den Beinen und wer gerade den Wochenlohn in der Tasche hat will nur eines, nämlich einkaufen. Der Spar Supermarkt wird gestürmt und der angrenzende Alkoholladen ist auch bummvoll . Der Parkplatz dient gleichzeitig als Haltestelle für Minibusse, überall Menschgewusel.

Blick auf Elands Bay
Die meisten von ihnen sind keine Schwarzafrikaner sondern haben einen hellbraunen Teint und stammen von den ehemals hier ansässigen Ureinwohner, den Buschleuten ab oder sind Mischlinge. In Südafrika nennt man diese Bevölkerungsgruppe Coloured People. Darunter fallen auch alle sonstigen Einwanderer wie zum Beispiel Inder oder asiastisch stämmige Menschen die grossteils an der Südküste oder in grossen Städten leben.

Namaqua NP im Frühling
Die Nacht verbrachten wir am Campingplatz des Ortes. In Südafrika gibt es sie in grosser Anzahl denn weisse Südafrikaner lieben Camping. Vielleicht haben sie dieses Gen von ihren Vorfahren geerbt, den Holländern.
Bei der Weiterfahrt umrahmen immer mehr blühende Büsche und Blumen die Strasse. Es ist Anfang Frühling auf der südlichen Halbkugel, die Zeit wo sich das sonst so trockene Land in blühender Pracht präsentiert. Perfekt um den Namaqua Nationalpark zu besuchen. Er liegt nur wenige Kilometer von der Strasse Richtung Meer und war die steinige Anfahrt wert. Inmitten von Farmland eröffnete sich uns eine wahre Blumenoase. Die sanften Hänge sind übersäht mit einem Blütenmeer in gelb und violett. Auf Wanderwegen lässt sich die Landschaft entspannt durchstreifen und mit der Wildcard ist der Eintritt sogar frei.

Hafen von Lamberts Bay
Danach wollten wir ans Meer und steuerten Lamberts Bay an. Zu dieser Jahreszeit ein etwas verschlafenes Örtchen. Der riesige kommunale Campingplatz und das Gastronomieangebote lassen darauf schliessen dass die Hauptsaison anders aussieht. Wer Glück hat kann in der kleinen Bucht auch Wale beobachten, wir hatten keines aber dafür entschädigte ein anderes Naturschauspiel. Auf der kleinen natürlichen Halbinsel die vom Hafen zu erreichen ist liegt ein Schutzgebiet für Kaptölpel.

Kaptölpel Kolonie
Ein gänseartiger Meeresvogel der nur an wenigen Küstenabschnitten im Umkreis um diese Jahreszeit sein Brutgebiet hat, eine absolute Besonderheit. Im kleinen Museum wird Hintergrundwissen über Wale und andere heimische Meeresbewohner geboten, ein nettes Ausflugsziel. Je weiter wir Richtung Kapstadt vordrangen umso touristischer wird es.
Waren im Norden nur einfache abgeschiedene Orte und Farmen zu sehen so wird es jetzt nobel. Viele Küstenorte bestehen fast nur aus Villen und Ferienhausanlagen. Kapstadt zählt ja zur reichsten Region des Landes und betuchte Städter leisten sich imposante Wochenendhäuser.

Lamberts Bay
Der Ort Paternoster ist ein typisches Beispiel. Der kleine idyllisch gelegene Ort liegt in einer natürlichen Bucht. Bei der Hinfahrt bemerkt man sofort die Zweiklassengesellschaft. Auf der einen Seite wohnt die arme Bevölkerung in kleinen Häusern und Hütten, etwas abgetrennt das Viertel mit luxuriösen Strandhäusern und urigen Restaurants. Als Spezialität gelten Gerichte aus Meeresfrüchten frisch aus dem Ozean. Wer uns kennt weiss dass das nicht unseren Gesschmack trifft aber zu einem Teller Fish und Chips liessen wir uns hinreissen.

Fisch in allen Variantionen


Gleich angrenzend an Paternoster befindet sich das kleine Nature Reserve Tieties Bay. Eine wild romantische abgelegene Bucht in der wir die Gischt des Atlantiks ordentlich zu spüren bekamen denn am nächsten Morgen war der Unimog voller Salz.

Tieties Bay

Für die Weiterfahrt nach Kapstadt bot sich uns noch die Durchfahrt durch den West Coast Nationalpark an. Ein Naturparadies mit traumhaften Ausblicken auf das Meer mit Wander- oder Radfahrmöglichkeiten. Als Ausflugsparadies am Wochenende überfüllt aber freier Eintritt für Wildcard Besitzer.
West Coast NP
Am nächsten Tag parkten wir bereits in Kapstadt. Wir wählten dafür einen öffentlichen Parkplatz direkt an der sogenannten Waterfront. Da in Südafrika jeder mit dem Auto kommt gibt es genügend Parkflächen und mit dem kompakten Unimog lassen sich sogar Pkw Plätze ansteuern. Wir lösten ein 24h Parkticket und verbrachten den Nachmittag mit typischen Touristenprogramm. Wir bummelten durch das Hafengelände, buchten eine kleine Bootsrundfahrt und genossen ein dekatentes Essen in einem der vielen Lokale.

Waterfront Kapstadt
Tags darauf ging es zum Tafelberg. Am ersten Parkplatz angekommen merkten wir bereits dass es sich um die Attraktion Kapstadts handelt. Keine Spur von Nebensaison, Autokolonnen schlängelten sich die schmale Strasse bis zur Seilbahn Station hoch. Wir entschieden uns lieber für den Shuttlebus denn der Gedanke den Unimog in diesem Verkehrschaos zu manövrieren liess uns schaudern.

Tafelberg Seilbahn
Vor der Seilbahn angekommen wartete bereits eine über hundert Meter lange Menschenschlange auf die Fahrt zum Gipfel. Die Lust sich stundenlang anzustellen verging uns sofort und so verzichteten wir auf die Gondelfahrt und genossen den Blick auf Kapstadt von dieser Stelle aus. Am selben Tag verabschiedeten wir uns von Kapstadt und fuhren weiter Richtung Kap. Auf der Route liegen idyllische Hafenorte.

Paternoster
Einer der beeindruckensten ist Simonstown. Viele der Gebäude sind im viktorianischen oder kap-holländischen Stil erbaut und sehr geschichtsträchtig. In Boulders Beach besuchten wir noch eine Pinguinkolonie bevor es über eine ziemlich enge kurvige Bergstrasse zum Eingang des Table Mountain Nationalparks ging. Zeitig am Morgen, noch bevor die Reisebusse und Tourgruppen ausschwärmen erreichten wir bereits den noch fast leeren Parkplatz auf der berühmten Felszunge. Ein alter Leuchtturm zeugt von der Gefährlichkeit dieser fast 200 Meter hohen Felsklippe für frühere Seefahrer.  

angekommen am Kap der guten Hoffnung
Endlich standen wir am Kap der guten Hoffnung. Obwohl es nicht der südlichste Punkt Afrikas ist empfanden wir es als Meilenstein unserer Reise. Der Ausblick war fantastisch. Wir blickten hinaus auf das Meer, die Wellen peitschten um die Felsen, der kräftige kalte Wind zerrte an den Jacken, die unbändige Kraft der Elemente spürten wir noch nie zuvor so intensiv.