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Transit Caprivi - Troubleshooting am Unimog



Wir flüchten. Wir haben endgültig keine Lust mehr auf überfüllte Campingplätze und überteuerte Preise. Nur kurz haben wir eine Durchquerung Botswanas überlegt aber schnell wieder verworfen, es ist Hochsaison und wir kennen das alles schon von früheren Reisen.


Piste durch den Chobe
Lieber wieder Neues erkunden also auf nach Namibia in den Caprivi Streifen. Ein schmaler Landstrich der sich zwischen Angola und Botswana Richtung Sambia zieht, ein abgelegenes Anhängsel Namibias das durchaus seinen Reiz hat.

Truck Stop mit Warzenschwein, Ziege und Pavian

Vor dem Grenzübertritt nehmen wir noch schnell die Piste durch den Chobe NP, die letzte Chance auf Tierbeobachtungen im artenreichen Botswana. Tiere bleiben uns dabei nicht so in Erinnerung aber dafür die schlechte Piste. Es ist eine Schaukelpartie sondergleichen. Sind wir hypersensibel oder hat sich da was verändert am Unimog. Das Fahrerhaus schwankt von einer Seite zur anderen, fast glaubt man in den Löchern umzufallen.

Sind die Federn schlechter geworden, haben die Stossdämpfer nachgelassen, wir rätseln ob wir das immer schon hatten, wahrscheinlich nicht -  unser Conclusio.
Unimog und Wald verträgt sich nicht
Froh endlich an der Grenze zu sein und wieder Asphalt unter den Rädern zu haben gleich die nächste Aufregung.

Es ist schon spät und ein Campingplatz muss her, die Community Campsite Salambala sticht uns ins Auge. Wir unterstützen wieder die Bevölkerung und sparen auch noch Geld gegenüber der teuren Privatlodge.

Salambala Campsite
Der Wegweiser ist ordentlich, zuerst eine breite Piste, dann eine schmale Piste und später eine zu kleine Piste. Wieder einmal kämpfen wir mit der Höhe des Unimog Aufbaus. Die ersten tiefhängenden Bäume konnten wir noch umfahren, doch dann wird der Busch dichter und die Äste endgültig zu nieder. Wir brauchen die Säge. Einmal, zweimal dann endlich kommt uns schon jemand von der Campsite entgegen und es wird mit vereinten Kräften der Weg für uns fahrbar geschlägert.

Wir sind müde und abgekämpft nach dem anstrengenden Fahrtag durch den Chobe, einem Grenzübertritt und dem Kampf mit den Bäumen, es reicht.

Die Campsite ist aber sehr nett, man bereitet für uns sofort heisses Wascher zum Duschen, eine alte leere Gasflasche dient dabei als Boiler. Wir bleiben einen weiteren Tag bis wir uns zurück zur Strasse arbeiten, wieder ist die Säge im Einsatz.

Dörfer im Caprivi
Noch eine Schreckensmeldung sitzt uns in den Knochen – eine Schraube an der Tankhalterung ist verloren und auf einer Seite hängt alles nur noch an einer weiteren. Der Tank ist noch dazu fast voll – über 200 Liter Diesel in einem lockeren Tank. Wir könnten es nur reparieren wenn wir den Sprit ablassen aber das wollen wir vermeiden, wir müssen es bis ins 50 Kilometer entfernte Katima Mullilo schaffen.

Es wird eine nervenaufreibende, vorsichtige Fahrt aber irgendwann stehen wir in einer Truck and Tractor Repair Werkstätte. Es ist Samstag aber der Inhaber, ein weisser Namibianer lässt uns trotzdem reinfahren.

nicht jeder kann sich ein Auto leisten
Wir hatten richtig Glück, denn als er die Halterung wieder festschraubt bemerken wir erst dass sich auch die zweite Schraube in Kürze verabschiedet hätte, nicht auszudenken was da passiert wäre.

Weil alles kompetent wirkt lassen wir auch gleich die zwischendurch wieder gebrochene Halterung der Dieselfilter verstärken. Im Zimbabwe war sie uns nämlich schon wieder abgerissen und jetzt ist die letzte Reservehalterung montiert. Die muss halten.

Corpus Delicti
Als wir starten und noch einmal routinemässig unters Auto schauen bemerken wir einen nassen Fleck. Die Diesel Rücklaufleitung hat sich von einer Verbindung gelöst. Normalerweise eine einfache Sache aber nicht bei unserem Unimog.

Es stellt sich heraus dass die Leitung auf der Dieselzuleitung anstatt der Rückleitung montiert war und das Verbindungsstück im falschen Schlauch hängt. Wir entscheiden es ordnungsgemäss zu verlegen, aber das wird ein Heldenspiel.

Community Camping
Eine halbe Stunde sollte der Tausch dauern, einige Stunden waren es dann wirklich. Es stellte sich heraus dass die Schlauchdurchmesser unterschiedlich sind und damit das Verbindungsstück nicht mehr passte und somit beide Leitungen komplett erneuert werden mussten.

Der Vorbesitzer hatte irgendwann den Originaltank gegen einen grösseren Tank ausgewechselt und dabei wurde ordentlich gepfuscht. Na ja typisch unser Unimog.

Obwohl die Rechnung gesalzen ist sind wir froh über das Ergebnis. Erleichtert können wir weiter fahren.

Zur Abwechslung geht es zwei Tage in den Mudumu Nationalpark. Er liegt gegenüber einiger der teuersten Lodges Botswanas direkt am Chobe River. Der Eintrittspreis ist eine Wucht, nur Eur 10,-- und das Campen ist frei.

 
Campsite Nr 3 - Mudumu NP
Wir wählen den Platz Nr 3. Er liegt völlig einsam am Flussufer. Im gegenüberliegenden Sumpfgebiet entdecken wir einige Letchwe Antilopen und ein paar Hippos sind auch nicht weit.

Drei Nächte bleiben wir und unternehmen sogar eine Buschwanderung. Ein bisschen mulmig ist uns dabei schon denn wir sehen frische Elefantenspuren und eigentlich könnte es in der Umgebung auch Löwen geben. Nichts passiert, wir haben überlebt.

Letchwe Antilopen im Sumpfland - Mudumu NP
Zweihundert Kilometer weiter erreichen wir den Okavango Fluss. Er entspringt in Angola und zieht sich über Namibia hinein nach Botswana wo er im grössten Binnendelta der Welt einfach versiegt.

Roan Antilope
Fischer mögen den Fluss besonders weswegen die Campsites an seinen Ufern fast alle ausgebucht sind. Die Südafrikaner haben gerade Schulferien und sind mit ihren Offroad Anhängern überall unterwegs.

50 Jahre Unabhängigkeit - vereint und stolz
Mit etwas betteln und jammern erbarmt sich der Rezeptionist der Campsite und wir dürfen für eine Nacht bleiben. Länger haben wir in dem Trubel sowieso keine Lust, es wird Zeit dass wir in ruhigere Gefilde kommen. Namibias Osten, wo die Buschmänner zuhause sind sollte dafür perfekt passen. Um dorthin zu kommen müssen wir wieder nach Botswana einreisen.

Bus Station in Botswana
Kurz zuvor nehmen wir statt der schlechten Schotterpiste zur Grenzstation den kleinen Abstecher durch den Mahango Nationalpark. Für afrikanische Verhältnisse ein winziger Park aber mit besonderen Überraschungen. Wunderschöne Au Landschaften und schöne Tiersichtungen, eine gute Wahl anstatt auf der langweiligen schlechten Schotterstrasse zur Grenze zu fahren.

zwischen Mohembo Border und Nokaneng
Und schon sind wir wieder in Botswana. Einige hundert Kilometer fordert uns eine völlig in Auflösung befindliche Asfaltstrasse. Im Zickzack umfahren wir die vielen Schlaglöcher und quälen uns bis endlich die Pistenabzweigung zurück nach Namibia erreicht ist.

Fachsimpeln beim Lagerfeuer
Dort haben wir uns mit Antje und Jochen verabredet. Zwei begeisterte Unimogfahrer aus Namibia die wir letztes Jahr in Sambia kennengelernt haben. Sie boten uns damals ganz selbstverständlich ihre Ersatzteile an und haben uns seither schon öfters mit Rat und Tat bei unseren technischen Wehwehchen unterstützt. Unimog Fahrer halten eben zusammen. (Danke an euch – ihr seid grossartige Freunde)