Zimbabwe I - ein Land voller Spielgeld


„One Billion Zimbabwe Dollar“ – was für ein Geldschein.
Wir sind in Vic Falls an den Viktoria Wasserfällen. Vor knapp einem Jahr waren wir nur wenige Kilometer entfernt von hier in der gegenüberliegenden Stadt Livingstone in Sambia. Der Unterschied könnte nicht grösser sein.


Keine Touristenmassen, leere Hotels, Ausflugsanbieter ohne Kunden. Der Strassenhändler der uns den Geldschein anbietet ist kein Geldwechsler sondern ein Souvenirverkäufer.

Zimbabwe erlebt schwere Zeiten. Robert Mugabe der heute 92 jährige Langzeit Präsident hat international Schlagzeilen gemacht. Im Zuge einer Landreform im Jahre 2000 enteignete er fast 90 % aller weissen Farmer und vertrieb sie. Das einstige Exportland für landwirtschaftliche Produkte ist seither nicht einmal mehr in der Lage seine eigene Bevölkerung zu ernähren.

Zambezi Nationalpark
Das Land geriet in einen Inflationstaumel. 2008 gab es Geldscheine bis in Trillionen Höhe, der einzige Ausweg war die Aufgabe der eigenen Währung und die Einführung des amerikanischen Dollars als offizielles Zahlungsmittel.

Unser Freund, der Strassenverkäufer macht leider kein Geschäft mit uns, wir haben keine Verwendung für diese wertlosen Scheine. Wir kaufen viel lieber eine CD von einer traditionellen Musikgruppe die uns eifrig ein Ständchen aufspielt, ein bisschen Sponsoring ist wichtig.

Vic Falls ist ein gemütlicher Ort für einen Stadtbummel. Alles lässt sich zu Fuss erkunden und die an jeder Ecke postierte Touristenpolizei sorgt für ein sicheres Umfeld, eine Seltenheit in Afrika.

Second Hand Ware am Strassenrand
Unser nächster Programmpunkt ist die Besichtigung der Wasserfälle. Viele Reisegruppen unternehmen diesen Ausflug als Tagestouristen vom benachbarten Sambia oder Botswana, ein Grund wieso man niemals am Vormittag über die Grenzen einreisen sollte. Uns bescherte es über eine Stunde Wartezeit vor dem Einreiseschalter.

USD 30,-- Eintritt für den Rainforest Nationalpark sind ein fairer Preis für das was man hier geboten bekommt. Ein kilometerlanger Rundweg führt entlang der Abbruchkante des Zambezi Rivers zu den einzelnen Abschnitten der Schlucht. Der permanente Sprühnebel wirkt wie ein Monsunregen und liess einen schmalen Streifen Regenwald mitten in sonst trockener Buschvegetation entstehen. Obwohl wir mit Regenjacken ausgerüstet sind fühlen wir uns wie gebadet. Die aufsteigende Gischt prasselt stellenweise so heftig auf uns herab dass wir den Fotoapparat schützen müssen, dazu das donnernde Geräusch der Wassermassen, es ist wieder einmal ein unvergessliches Erlebnis.

Devils Cataract
Sobald man sich wieder in den Ort begibt verlieren sich die Touristen. Sogar im legendären Vic Falls Hotel, der teuersten und edelstes Adresse im Ort ist es ruhig geworden.  Bis auf ein paar amerikanische Urlauber ist nicht viel los. Wir genehmigen uns ein Mittagessen auf der Terrasse und geniessen den herrlichen Ausblick auf die alte Eisenbahnbrücke über die Zambezi Schlucht, 1905 wurde sie erbaut, ein Denkmal damaliger Ingenieurskunst. Wir mögen die koloniale Atmosphäre und schlendern anschliessend durch ehrwürdige Salons mit lebensgrossen Portraits gekrönter Häupter. Dicke Teppiche, Büsten und Trophäen, mächtige Luster, typisch Englisch, aber uns gefällt es.

Mit immer noch nassen Hosenbeinen schlendern wir zurück zum Unimog. Wir campieren am staatlichen Campingplatz mitten im Ort, ebenfalls ein Relikt aus besseren Zeiten. Nur wenige Plätze sind belegt und die riesige Bungalowanlage ist fast gänzlich leer.

Aussicht vom Vic Falls Hotel zu den Wasserfällen
Zimbabwe hat als Urlaubsland stark an Attraktivität verloren. Die politische Situation verbreitete Unsicherheit unter Ausländern und viele Südafrikaner erzählten uns dass sie einen Bogen um das Land machen wegen der zahlreichen und kostspieligen Strassensperren der korrupten Polizei.

Wir merken davon nichts mehr denn im Frühling diesen Jahres wurde Mugabe entmachtet und der neue Präsident ist bemüht den Tourismus wieder ankurbeln. Das Land braucht dringend Deviseneinnahmen und die Menschen schöpfen langsam Hoffnung dass sich in absehbarer Zeit die wirtschaftliche Situation verbessert.

Tonga Siedlung
Als Sofortmassnahme wurden die Roadblocks abgeschafft. Die Strasse Richtung Süden ist in passablen Zustand und bis auf eine Mautstelle kommen wir ungehindert voran.

Nur wenige Siedlungen liegen in Sichtweite, die meisten bestehen aus traditionellen Rundhütten des Volkes der Tonga, ein krasser Gegensatz zu den gut entwickelten Städten. Kein Strom, kein Fliesswasser, man lebt von Rindern und dem Verkauf von Holz an Durchreisende.

Warten auf Holzkäufer
Bei einem kurzen Stopp in der Bergbaustadt Hwange schauen wir beim örtlichen Supermarkt vorbei. Gleich nebenan ist ein Bankgebäude mit einem Bankomaten an der Fassade doch keiner benutzt ihn. Wie wir schon in Vic Falls bemerkten sind sie alle ausser Betrieb. Man erzählt uns dass sie nur selten mit Bargeld bestückt werden, dann bildet sich eine Menschenschlange und es kann Stunden dauern bis man mit Glück den Maximalbetrag von 50 Dollar abheben kann.

Das Bargeld ist dem Staat einfach ausgegangen. Nur eine kleine Elite hat Zugang zu echten US Dollars und als Ersatz für die Bevölkerung wurden vor einigen Jahren Münzen und kleine Scheine nachgedruckt die als US Dollar Bonds bezeichnet werden, eine Art Spielgeld die nur am Spielfeld Zimbabwe eingesetzt werden kann.

Man erhält sie als Wechselgeld wo immer man bezahlt und wir versuchen sie so gut wie möglich zu vermeiden denn wenn man sie in Zimbabwe nicht ausgibt kann man sie wegschmeissen.

Generation von morgen
Der Supermarkt ist zu unserem Erstaunen gut sortiert, ausländische Markenprodukte und Erzeugnisse aus Südafrika finden sich in den Regalen, zu kaufen gibt es fast alles nur deutlich teurer als in den Nachbarländern.

Wir rollen unseren Einkaufswagen zur Kasse und holen unsere kleinen Dollarscheine heraus. Es dauert bis wir endlich an die Reihe kommen, Alfred wird schon ungeduldig. Wir wundern uns wieso die Kunden vor uns alle an ihren Handys herumtippen und lernen wieder was dazu.

Um die Bargeld Knappheit zu umgehen bedient man sich verschiedensten Methoden des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Eine davon ist Ecocash, ein Service des heimischen Mobilfunkanbieters. Die eigeneTelefonnummer wird gleichzeitig auch als Bankkonto genützt und funktioniert wie eine Kreditkarte nur dass man einen Code braucht und auf den warten alle.

Ein genialer Deal um die Bevölkerung zahlungsfähig zu halten und auch grössere Ausgaben abzuwickeln. Wer zu arm ist für ein Telefon der hat entweder Münzen oder macht Tauschhandel. Die Menschen haben sich damit arrangiert und wir verstehen jetzt wieso sich alle so auf echte Dollar stürzen. Wir konnten sogar alte Scheine hier loswerden die sonst in Afrika niemand mehr akzeptiert.

Hoffnung auf Veränderung
Gerade wegen all dieser Probleme ist es wert Zimbabwe zu bereisen. Die Menschen sind sehr freundlich und vermitteln den Eindruck sich über den Besuch von Ausländern zu freuen. Sie haben gelernt zu überleben und sich nicht unterkriegen zu lassen. Wie überall in Afrika gibt es Armut, Arbeitslosigkeit und Geldmangel. Es sei ihnen vergönnt dass die internationalen Sanktionen bald fallen und die Neuwahlen im August den Aufschwung einleiten.