2017/10/28

Namibias Wunder der Natur – Skeleton Coast und Märchenbäume


 Flächendeckendes Internet gehört nicht zu Namibias Stärken, ein Grund wieso wir diesmal mit ordentlicher Verspätung berichten. Und wenn wir schon beim Thema sind, auch die vielen Pisten, Asphaltstrassen existieren hier nur ganz wenige, sind in miserablen Zustand.
Das Land ist bankrott und seit Monaten fliessen keine Gelder mehr zu den Strassenbau Unternehmen.

Dennoch gehört Namibia zu unseren Lieblings Reiseländern. Zehnmal so gross wie Österreich aber mit nur 2,5 Mio Einwohnern bietet es geniale Natur mit einmaliger Flora und Fauna. Es gedeihen endemische Pflanzen die nirgends sonst auf der Erde zu finden sind und sogar einige Tierarten, das grösste davon ist das Black faced Impala also das schwarz gesichtige Impala, lebt nur hier.

Huab Route
Namibia besteht grossteils aus Wüsten, die Kalahari im Osten und die Namib im Westen entlang der Küste. Schon seit wir unser Pistenabenteuer im Kaokoveld begonnen haben bewegen wir uns in einem Teil der Namib Wüste die übrigens zu den ältesten Wüsten der Welt zählt und rund 55 Mio Jahre alt ist. Je weiter wir Richtung Atlantik vordringen umso näher kommen wir der Skeleton Coast. Der morgendliche Nebel ist ein untrügliches Zeichen. Längst haben wir uns an dieses Wetterphänomen, dass durch das Zusammentreffen des kalten Benguela Stroms im Atlantik mit der heissen Wüstenluft im Inland entsteht, gewöhnt. Es lässt die ohnehin aride Landschaft noch unwirtlicher erscheinen. Regen fällt in dieser Gegend kaum und nur wenige Tiere können hier überleben. Besonders die Oryx Antilope, das Wappentier Namibias, ist perfekt an diese Lebensbedingungen angepasst. Um den Durst zu stillen nützt es auf langen Wanderungen die Wassertropfen auf Gräsern. Manchmal kreuzt auch ein Strauss unseren Weg aber die Begegnungen sind kurz und fern denn die Tiere sind ausgesprochen scheu.

Gate zum Skeleton Coast NP
Unseren eigentlichen Plan von Palmwag weiter Richtung Süden durch die Berge und Täler des Huab und Ugab Rivers zu fahren verleidet uns die extrem steinige Piste. Nach einem halben Tag sind die Reifen arg in Mitleidenschaft gezogen. 45000 Kilometern Laufleistung haben sie bisher am Buckel aber die scharfkantigen Steine fordern ihren Tribut. Als wir den Riss in der Flanke bemerken sind wir heilfroh dass es nur den Gummi erwischt hat und entscheiden umzukehren. Eine Reifenpanne fehlt uns bisher noch in unserer Pannen Sammlung aber glücklicherweise haben die Michelin XZL Reifen durchgehalten. Ein echtes Wunder dass wir seit unserem Start in Österreich noch nie eine Reifenpanne hatten.

Wie so oft auf der Reise ändern wir spontan die Route und schwenken in den Skeleton Coast Nationalpark. Für uns eine Premiere denn diesen Landesteil haben wir noch nie bereist.

Robbe
Wir übernachten am Springbock Wasser Gate für umgerechnet 5 Euro nachdem uns zuvor am Wildcampingplatz einige Kilometer vorher die Polizei höflich dazu aufgefordert hatte und uns zur Abschreckung Horrorgeschichten über Löwen und sonstige wilde Tiere erzählte. Sie wollten uns eben in Sicherheit sehen vor was auch immer sie Sorge hatten erfuhren wir nicht.

Übrigens ist dieses Gebiet die Heimat der Welwitschia Pflanze. Eine absolute Besonderheit denn die endemische, d.h. nur hier verbreitete Pflanze entwickelt nur zwei Blätter die bei alten Exemplaren bis über 2 Meter lang werden können. Manche davon werden auf über 1000 Jahre geschätzt. Unbedingt erwähnenswert ist ihr Entdecker, der Botaniker Friedrich Welwitsch. Er war nämlich Österreicher.

Welwitschia
 Der Skeletoncoast Nationalpark empfängt uns gewohnt nebelig. Nur schemenhaft erhaschen wir Einblicke in die Umgebung. Steinige menschenleere Wüste mit kleinen Hügeln und spärlich bewachsenen ausgetrockneten Flussläufen. Vierzig Kilometer verläuft die recht passable Piste Richtung Meer und je dichter und undurchdringlicher die Nebelwand erscheint umso grüner wird der Wüstenboden. Kurze Gräser, Flechten und moosähnliche Pflanzen überziehen die Hügel und obwohl die Region die geringste Niederschlagsmenge im ganzen afrikanischen Subsahararaum aufweist fühlt sich alles feucht an.

Schiffswrack
Kurz bevor wir das Meer erblicken verändert sich die Landschaft. Kleine Dünen und Salzpfannen prägen das Bild. Aber es ist nicht die Landschaft die uns fasziniert sondern diese Stimmung, die Abgeschiedenheit und Leere. Namib bedeutet nämlich übersetzt leerer Platz oder dort wo nichts ist.
Auch der Begriff Skelettküste hat eine tiefere Bedeutung. Die Ureinwohner Namibias, die Buschmänner nennen es das Land das Gott im Zorn erschuf. Als wir das erste Schiffswrack erkunden wissen wir wieso.  Viele Seefahrer mussten hier ihr Leben lassen. Stürme und Nebelbänke brachten viele Schiffe zum Kentern. Die Überlebenden die es an Land schafften hatten dennoch keine Chance. Bis zu 160 Kilometer erstreckt sich die Wüste ins Land und es gibt keine Siedlung weit und breit.
Unser Unimog lässt uns zum Glück nicht im Stich.

Saltroad Skeleton Coast NP bis Swakopmund

Vom Ausfahrtstor des Nationalparks bis zur Küstenstadt Swakopmund überrascht uns eine glatte makellos gewalzte Salzstrasse.
Vorher unternehmen wir noch einen kurzen Ausflug nach Cape Cross. Ein perfekter Ort um hautnah eine Robben Kolonie zu beobachten. Es ist laut, es stinkt aber das quirlige Treiben der Tiere ist einfach faszinierend. An Land wirken Robben plump und behäbig aber sobald sie sich ins Wasser stürzen sind sie in ihrem Element. Der Besuch ist ein Erlebnis und lohnt sich allemal.

Cape Cross
In Swakopmund angekommen führt unser erster Weg zur Autowäsche. Wir sind nicht die einzigen. Wer hier lebt muss regelmässig sein Auto vom Salz befreien. Auf dem Campingplatz Alte Brücke geniessen wir anschliessend einige Tage Pause. Das trübe Wetter, der Nebel und Temperaturen von maximal 17 Grad wirken auf uns normalerweise nicht gerade einladend aber die Stadt selbst hat Flair.

Hobby Küstenfischer
Sie vermittelt deutsche Kultur. Fachwerkhäuser, Konditoreien, ja sogar eine Mini Fussgänger Zone vermitteln Wohlfühlatmosphäre. Wir kaufen ein Kudu Fell für Zuhause, besuchen das Aquarium und beobachten Strandfischer. Alfreds Fischerleidenschaft flammt sofort auf aber für das Meerfischen braucht es eine ganz andere Technik als wir sie kennen.

Swakopmund

Nachdem wir die letzten Wochen genug Pisten gerumpelt sind beschliessen wir auf der Asphaltstrasse weiterzufahren. Sie führt uns wieder in die Hauptstadt Windhoek wo wir diesmal auch gleich die Gasflaschen füllen lassen. Die Gelegenheit muss man nutzen wo es geht denn nicht überall lässt sich das so einfach erledigen. Das österreichische Flaschengewinde ist normalerweise nicht kompatibel.

Oryx
Auf sehr guter Strasse geht es anschliessend nach Süden Richtung Keetmanshoop. Anfangs etwas bergig wird es zunehmend ebener und fast schnurgerade. Wieder begleiten uns Zäune rechts und links des Strassenrandes und es liegen nur wenige Orte entlang der 400 kilometerlangen Strecke. In Mariental wechselt das Farmland von Rinderzucht zu grünen Ackerland.

Kurz vor der Stadt Keetmanshoop sehen wir immer öfters ganz spezielle Bäume. Es sind die Quivertrees, auf Deutsch Köcherbaum. Ein Baum der aussieht als stünde er Kopf. Die Baumkrone sieht aus wie Wurzeln.

Quivertree -Köcherbaum
Wir übernachten beim Garas Quiver Tree Camp und befinden uns gleichzeitig mitten in einem Märchenwald.
Nur noch rund 500 Köcherbäume soll es insgesamt geben und viele davon stehen direkt hinter unserem Übernachtungsplatz. Niemand weiss wie sie entstanden sind und warum sie nur auf diesem Fleckchen Erde wachsen. Eine Laune der Natur die Namibia so besonders macht.


Für uns geht es jetzt aber schnurstracks Richtung Südafrika. Mal sehen was uns dort erwartet.