Angolas bessere Hälfte? – Der Westen



Werden wir vielleicht noch zum Angola Fan? Nein, ausgeschlossen, dafür war die Durchquerung Ost Angolas zu arg.

Zumindest aber sind wir etwas positiver gestimmt was den Westteil des Landes betrifft.

Der Reiseführer, der übrigens fast ausschliesslich Informationen über West Angola beinhaltet, verspricht einige Sehenswürdigkeiten und vor allem bessere Strassen.

Kirche in Malanje
Wir klammern uns also wie an einen Strohhalm  an diese Verheissungen und als wir die Stadt Malanje, unser Tor zum Westen erreichen, raffen wir uns tatsächlich auf und versuchen dem Land eine zweite Chance zu geben.

Bis hierher fühlten wir uns mehr und mehr im Flucht Modus und hatten nur den fixen Gedanken, das Land so rasch als möglich zu verlassen. Doch Malanje liegt immer noch tief im Herzen Angolas und die Grenze zu Namibia ist weit. Um die Strecke sinnvoll zu nutzen entscheiden wir uns für die Besichtigung einiger Highlights. Wer weiss vielleicht finden wir ja doch noch Gefallen an Angola.

Der Plan steht, wir steuern Richtung Hauptstadt Luanda und nehmen die Küstenstrasse. 
Zwischen Malanje und Luanda
Kurz nach Malanje wartet schon das erste Ausflugsziel - die Pedras Negras. Übersetzt bedeutet das schwarze Steine. Schon aus der Ferne erkennen wir diese unerklärlichen Felsformationen inmitten eintöniger Landschaft.

Das Beste an diesem Abstecher ist der Übernachtungsplatz direkt am Felsplateau. Nach vielen Tagen Camping neben Polizeistationen oder in Missionen geniessen wir die Einsamkeit und Ruhe am Berg.

Die Weiterfahrt verläuft ganz typisch angolanisch – schlechte Strassen, schmutzige Orte und wilde Blechhütten Städte - wir passieren sie mit Gelassenheit.


Angolas Westküste
Je weiter wir Richtung der Hauptstadt Luanda vordringen umso mehr Verkehr und Geschäftigkeit begegnet uns. Fast gewinnt man den Eindruck als gäbe es nur Chinesen die hier Business treiben. Das gesamte Baugewerbe, ob Strassenbau, die Errichtung von Hotelanlagen und jedes Ziegelwerk scheinen fest in chinesischer Hand zu sein.

Miradouro de Lua
Luanda empfängt uns mit einer nervigen Baustelle. Wir verspüren keine Lust auf Stadtsightseeing und schwenken in die südliche Umfahrung. Gerne hätten wir unseren Zivilisationshunger in einer Shopping Mall gestillt aber, Fehlanzeige. Nur Firmengebäude, Shops und jede Menge Casinos säumen die dreispurige Strasse. Wir müssen uns mit den westlich anmutenden Tankstellen Raststationen zufrieden geben. Für den Unimog gibt es hier als Luxus unlimitiert Diesel und für uns zumindest ein Magnum Eis.

Ein kurzer Genuss denn wenige Kilomter weiter landen wir wieder im allgegenwärtigen Schmutz und dem wilden Chaos. Es stinkt nach Fisch, vor uns liegt die Atlantikküste.


Pedras Negras
Im Dunst  erhaschen wir noch einen Blick auf die Skyline Luandas. Dort ist wohl der einzige Ort im Land wo es sich gut leben lässt. Aller Reichtum bündelt sich auf wenigen Quadratkilometern. Regierungsviertel, Luxushotels, moderne Bürogebäude und exklusive Villen. Eine der teuersten Städte Afrikas.

Solange das Öl sprudelt florieren die Geschäfte. Der Boom scheint ungebrochen denn soeben hat Total die grösste Bohrinsel der Welt vor der Küste errichtet.

Wir begnügen uns mit der Aussicht auf den rauhen Atlantik und tingeln auf rumpeliger Strasse gen Süden. Vorbei an den sehenswerten Miradouro de Lua.,ein von Wasser und Wind geformter Küstenabbruch, bieten sich immer wieder schöne Ausblicke auf Steilküste oder Sandbuchten.

Dorf in West Angola
Die Besiedelung ist spärlich, das Gebiet extrem trocken. Nur Baobab Bäume scheinen sich hier wohlzufühlen. An Marktständen werden die getrocknete Früchte des Baumes angeboten, die, so wurde uns erzählt besonders gesund sein sollen und natürlich gedörrter Fisch. Nichts davon wollen wir kosten.

Als wir uns gerade darüber freuen dass die Grenze zu Namibia immer näher rückt blitzt plötzlich die Ladekontrollleuchte des Unimogs auf. Sofort beginnt der Motor heiss zu laufen und wir retten uns gerade noch auf eine kleine ebene Stelle neben der Strasse.

Diesmal ist der Keilriemen der Wasserpumpe gerissen. Wir stehen 20 Kilometer vor der Hafenstadt Port Amboin aber diese zu erreichen ist chancenlos. Der Gedanke schon wieder eine angolanische Werkstatt aufzusuchen graut uns und damit ist die einzige Lösung eine Selbstreparatur.
reparieren am Strassenrand
Ohne Vorkenntnisse beginnen wir alles abzubauen. Einen Ersatzkeilriemen haben wir dabei aber das mühsamste ist die Demontage des schweren Motorschutzes und aller sonstigen Keilriemen, denn das gerissene Teil ist ganz hinten.

Nach drei Stunden haben wir es tatsächlich geschafft und der Mog läuft wieder. Diesmal übernachten wir gleich einige hundert Meter weiter.

Auf der Durchfahrt besorgen wir uns in der Hafenstadt Port Amboin einen neuen Keilriemen. Heikel darf man hier nicht sein. Im Gewirr wilder Marktstände finden wir einen Händler mit Ersatzteilen. Aus grossen Säcken kramt er nach längeren Suchen die passende Grösse hervor. Es ist wie so oft in Angola ein Gebrauchtteil zum Preis eines Neuen. Es bleibt uns keine Wahl, wir sind froh überhaupt einen gefunden zu haben. Das Risiko ohne Ersatz zu fahren erscheint uns zu gross.

Strasse zwischen Benguela und Lubango
Nach Übernachtungen am Strand von Cabo Ledo, der ausnahmsweise eine schöne Erinnerung hinterlässt und in der furchtbaren Slumstadt Lobito schwenken wir wieder landeinwärts.

Bei einer Mittagsrast nahe der Strasse kommt ein Bewaffneter in T-Shirt und zerlumpter Hose auf uns zu und zeigt einen Militärausweis. Er kassiert Alfreds Reisepass ein und weigert sich ihn zurückzugeben.  Es sei verboten die Strasse zu verlassen und er müsse seinen Kommandanten anrufen. Letztendlich verlangt er Schmiergeld. Eine Schachtel Marlboro ist alles was wir ihm geben und nach einer Stunde verhandeln lässt er uns weiterfahren.
Lubango - Tundavala
In Lubango, einer weiteren Provinzhauptstadt im Landesinneren ist dann auch noch der Diesel aus. Bis zur Grenze Namibias erhalten wir keinen Treibstoff. Wir sehen wie andere LKW Fahrer tanken aber die Tankstellen bedienen nur grosse Speditionen und alles läuft über Lieferschein. Auch einheimische Dieselfahrer werden weggeschickt und erzählen dass es seit Tagen auf hunderten Kilometern keine Tankmöglichkeit gibt. Was für ein Land.

Angola bleibt bis zuletzt ein Härtefall und hinterlässt Emotionen.

Grenze zu Namibia - endlich