2015/10/03

Iranische Dorfepisode



Mittlerweile haben wir das Kurdengebiet erreicht. Als eine von vielen Volksgruppen des Landes leben die iranischen Kurden im Bergland entlang der irakischen Grenze vorwiegend als Bauern. Besonders auffällig ist Ihre Art sich zu kleiden. Die Männer tragen weite Hosen, teilweise traditionell mit dem sogenannten Kummerbund um die Taille. Die Frauen erkennt man durch die farbenfrohen oft glitzernden Kleider mit kurzen Bolerojäckchen.  
kurdische Hochzeitskleidung


Wir durchqueren also gerade diese Berg und Tal Landschaft und sind wie so oft auf der Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz. Die letzte grössere Stadt, Kameryan erschien uns wenig einladend und so entscheiden wir uns für ein kleines Dorf etwas abseits der Hauptstrasse. Es ist bereits früher Abend als wir unseren Unimog neben dem Schulgebäude am Dorfrand einparken. Noch bevor wir uns richtig umsehen können öffnet das Schultor und eine kreischende Kinderschar umringt uns. 
 
vor dem Schultor
In einiger Entfernung sammelt sich auch bereits eine Gruppe von Männern und so beschliessen wir uns erstmals im Dorf bekannt zu machen.
Wie sich herausstellt war das eine gute Idee denn einen Ausländer haben die Bewohner noch nie gesehen. Es dauert bis sich herumgesprochen hat, dass wir keine Türken sind. Türken sind hier wohl die einzigen Fremden die ein Begriff sind. Alle wollen fotografiert werden und freuen sich über unsere Anwesenheit. Die Frauen staunen aus sicherer Entfernung. Mit unseren mittlerweile dürftigen Farsi Kenntnissen können wir die wichtigsten Fragen zu Familie und Herkunft beantworten. Leider sind die Frauen fuer ein Foto zu scheu.
Dorfbewohner im Kurdenland

Als wir uns nach gut zwei Stunden wieder im trauten Unimog zurückziehen klopft es kurze Zeit später. Zwei Abgesandte stehen vor der Tür und bringen einen Teller Spaghetti, Brot, eine Flasche frische Schafmilch und einen säuerlichen Brei. Iraner legen besonderen Wert darauf, dass ihre Gäste nicht verhungern.
Wir sind überwältigt von der Herzlichkeit der Menschen. Wie hätte sich wohl die gleiche Situation in Österreich abgespielt?