2015/11/18

Der wahre Iran - konservativ und mit ständiger Bespitzelung


Blick aus 2000m auf 4000m

Trotz Kälte beschliessen wir noch einmal unsere Freunde in Khoubanan zu besuchen. Die täglichen Anrufe von Hossein zeigen Wirkung uns so verbringen wir drei weitere Tage mit seiner gastfreundlichen Familie.

Den Unimog parken wir direkt vor dem Wohnhaus. Die Einladung im Haus zu übernachten lehnen wir dankend ab obwohl uns Hossein gerne beherbergt hätte. Wir sind auch so von früh bis Mitternacht auf den Beinen. Die ganze Familie ist euphorisch, jeder möchte uns kennenlernen, mit uns plaudern und uns zu sich einladen. Es wird gegessen, geredet, die Moschee besichtigt und wieder gegessen und geplaudert. 

gemeinsames Kochen für 12 Personen
Wir unterhalten uns auf Englisch gemixt mit unseren minimalen Farsi Kenntnissen sowie Pantomimen Einlagen. Wo immer wir sind stehen wir im Mittelpunkt - ganz schön anstrengend. 
Zum Abschluss koche ich mit den Damen österreichisches Essen. Am Menü steht improvisiertensGulasch, Kartoffelpüree, Palatschinken und eine Flasche Almdudler als Gastgeschenk. 

Der interkulturelle Austausch ist für alle eine Bereicherung und beschert lehrreiche und unvergessliche Einblicke in die Welt des anderen.

iranisches Wohnzimmer 
Kurz vor Abfahrt werden wir jedoch von der Polizei vorgeladen. Hossein, unser Gastgeber wird ebenso ausgefragt wie wir selbst. Wir sitzen im Büro des hiesigen Polizei Chefs und werden von drei Geheimdienst Mitarbeitern in die Mangel genommen. Tee wird diesmal nicht gereicht - ein untrügliches Zeichen dass die Stimmung angespannt ist. 
Die Liste der Fragen ist lang.
Neben Fragen zu unseren Absichten und ob wir im Iran investieren wollen gibt es auch völlig absurde Themen wie woher Österreich sein Gas bezieht.
Nach zwei Stunden lässt man uns ziehen. Für uns bleibt der Beigeschmack eines Spitzel Staates und es bestätigt sich wieder wie suspekt Ausländer für iranische Behörden und das Regime sind.

Der Abschied von der Familie fällt uns dennoch schwer. Er ist wahrscheinlich für immer denn dass diese Familie Österreich besuchen kann nicht realistisch. Die finanziellen Mittel eines Iraners der Mittelschicht sind mit denen unserer Gesellschaft nicht vergleichbar.

Nach so viel menschlichen Kontakt zieht es uns wieder in die Natur.
Schneebedeckte Berge begleiten uns auf der Weiterfahrt. In Yazd verlängern wir zum zweiten Mal problemlos unser Visum bevor wir uns auf abgelegener Strecke Richtung Shiraz aufmachen.
 
einsamer Übernachtungsplatz
Zuerst auf Asphalt bis Herat und dann auf Pisten durch wilde Berglandschaften mit bis zu 2600 m hohen Pässen. Kurz vor einer kleinen Berg Oase fahren ein Toyota Pickup und ein Motorrad zielstrebig auf uns zu.
Es sind Nationalpark Ranger die uns hier empfangen. Sie fragen ob wir Jäger sind und nachdem wir dies glaubhaft verneinen erfahren wir, dass es sich hier um ein Schutzgebiet handelt wo zahlreiche Wildtierarten beheimatet sind. Wir zeigen uns sehr interessiert und dürfen schlussendlich zu einer Pirschfahrt mitkommen. Fast einen ganzen Tag sind wir mit Hamid, Abuzhar und Hojat unterwegs. 

auf Pirsch mit der Nationalparkbehörde

Wir haben Glück und erhaschen ferne Blicke auf Wildziegen und Wildschafe die Ähnlichkeit mit unseren Steinböcken haben. Wölfe soll es hier ebenfalls noch geben aber diese bekommen wir leider nicht zu Gesicht.

iranische Wildziege

Zwei Tage später erreichen wir endlich einen tiefergelegenen Salzsee. Zwischenzeitlich fällt die Temperatur in höheren Lagen in der Nacht bereits auf 5 Grad. Die Regenfälle der letzten Woche haben  auch hier ihre Spuren hinterlassen. Der See ist teilweise geflutet. Wir wagen trotzdem die Befahrung der Uferpiste.
Einige Kilometer weiter begegnen wir schon wieder einen Park Ranger. Diesmal handelt es sich um ein Schutzgebiet für Flamingos. Ein Schwarm der majestätischen rosa Vögel tummelt sich in der Seemitte. Obwohl wir unsere Pistenerkundung nicht fortsetzen können sind wir dennoch zufrieden. Der Iran hat uns wieder eine neue Facette seiner Vielfalt gezeigt.